Garnisonen der Wehrmacht

Übersichtskarte Mitteleuropa mit Standorten            Übersicht der Standorte und Kasernen der Wehrmacht            Übersicht der Fliegerhorste

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg umfasste das Reichsheer nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages noch 100.000 Mann einschließlich 4.000 Offizieren. Diese gliederten sich in 2 Gruppenkommandos, 7 Infanterie- und 3 Kavallerie-Divisionen. Demgemäß bestanden zu dieser Zeit auch im Vergleich zur Kaiserlichen Armee sehr viel weniger Standorte bzw. Garnisonsorte. Im Laufe der Jahre wurden die Bestimmungen des Versailler Vertrages in kleinstem Rahmen überschritten. So wurden beispielsweise einige Reiterschwadronen in Einheiten der Nachrichtentruppe umgewandelt, um die Stäbe der Kavalleriedivisionen technisch überhaupt in die Lage zu versetzen, die ihnen unterstellten Verbände effektiv zu führen. Einzelne Artillerie-Batterien wurden in Flak-Batterien und einige Fahrschwadronen in Beobachtungsbatterien umgewandelt. Im großen Ganzen hielt man sich jedoch an die personellen Vorgaben. Im Verborgenen wurde zudem an der Entwicklung moderner Waffenkonstruktionen gearbeitet. Mit der Sowjetunion wurde ein Abkommen unterzeichnet, welches der Reichswehr gestattete, die technische Entwicklung neuer Waffen in der Sowjetunion voranzutreiben.
Im Jahr 1926 wurde mit den ersten Vorbereitungen begonnen, um im Kriegsfall eine planmäßige Verstärkung des Feldheeres zu erreichen. Hierzu wurde der "Grenzschutz Ost" geschaffen, Einheiten mit milizartigem Charakter aus Freiwilligen der jüngeren Kriegsjahrgänge. Im Jahr 1940 wurde dann damit begonnen, die Vorbereitungen für die Verstärkung des Heeres dahin zu erweitern,  daß nunmehr im Falle eines Kriegsausbruchs aus den sieben bestehenden Divisionen behelfsmäßig 21 Divisionen gebildet werden sollten. Dies waren allerdings lediglich planerische Überlegungen, an der Anzahl der vorhandenen Soldaten änderte sich vorerst nichts.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde unter Mißachtung des Versailler Vertrages mit dem Ausbau der Reichswehr begonnen. Im März 1935 folgte die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Im Herbst 1935 bestand die Wehrmacht nun aus 3 Gruppenkommandos, 11 Generalkommandos, 24 Infanterie-Divisionen, 3 Panzer-Divisionen, 1 Gebirgs-Brigade, 2 Kavallerie-Divisionen und 1 Kavallerie-Brigade. Bis in den Herbst 1938 stieg die Stärke der Wehrmacht auf 6 Gruppenkommandos, 21. Generalkommandos, 35 Infanterie-Divisionen, 4 Infanterie-Divisionen (mot), 4 leichten Divisionen (mot), 5 Panzer-Divisionen, 3 Gebirgs-Divisionen und 1 Kavallerie-Brigade. Dazu kamen zahlreiche weitere Kräfte außerhalb der Divisionsverbände. Um all diese Verbände unterbringen zu können, setzte ein umfassendes Bauprogramm zugunsten der Wehrmacht ein. Dabei hatte die Luftwaffe einen besonders hohen Bedarf an Kasernenneubauten, da sie nicht auf alte Standorte der Kaiserlichen Armee zurückgreifen konnte. Für die Kasernen war eine landschaftsgebundene Gestaltung vorgesehen. Die Bauten sollten als "organisch gewachsener Bestandteil heimatlich gewachsener Landschaft erscheinen". Daher wurden die Kasernen oft in der Art von Gartenstädten angelegt: In einer durchgegrünten Landschaft wurden gruppenweise angeordnete Unterkunftsgebäude errichtet, die mit ihren steilen Dächern, hochrechteckigen Fenstern und schmiedeeisernen Gittern bodenständig wirken sollten. Durch die aufgelockerte Bauweise sollte zudem verhindert werden, dass im Falle von Luftangriffen all zu viel Schaden angerichtet werden würde.
Die Heeres-Dienstvorschrift 131 definiert den Begriff des "Standortes" als Orte, in denen ein Standortältester eingesetzt wurde. Standortältester in Standorten mit einer Kommandantur (Standortkommandantur, Grenzkommandantur, Kommandantur von Befestigungen) war der Kommandant. Befand sich in Standorten mit einer Grenzkommandantur oder einer Kommandantur der Befestigungen außerdem eine Kommandantur, so war Standortältester der Kommandant. Standortältester in Standorten ohne Kommandantur war der rangdienstälteste Offizier im Truppendienst, ohne Rücksicht auf seine Dienststellung. Standortältester in Standorten ohne Truppenbelegung war der rangdienstälteste Offizier ohne Rücksicht auf seine Dienststellung. Auf Truppenübungsplätzen war der Kommandant des Truppenübungsplatzes Standortältester. Die Standortältesten unterstanden als solche dem zuständigen Befehlshaber im Wehrkreis, bei der Kriegsmarine dem zuständigen Marinestationskommando und bei der Luftwaffe dem zuständigen Luftgaukommando. Nicht als Standorte galten Orte, in denen sich nur einzelne kleine Einrichtungen bzw. Dienststellen der Wehrmacht befanden (z.B. Wehrmeldeamt, Remonteamt, Dienststelle eines Ausbildungsleiter, Heeres-Abnahmestelle, Heeres-Munitionsanstalt). Solche Orte unterstanden dem nächsten Standortältesten.

Matthias Donath: Architektur in Berlin 1933 - 1945: ein Stadtführer, Lukas Verlag 2007
Burkhart Mueller-Hillebrand: Das Heer 1933 - 1945, Band I: Das Heer bis zum Kriegsbeginn, Verlag E.S. Mittler & Sohn
H.Dv.131: Standortdienst-Vorschrift, Verlag Offene Worte, 1939